Die Typografie

Typografie ist für Martin Z. Schröder Interpretation. Das Papier, das Format, die Schrift, die Farbe, der typografische Entwurf — sie alle vermitteln das Wort. Neben der Arbeit in der Werkstatt hat sich der Drucker gründlicher mit der Handwerkskunst des Schriftsatzes befaßt. Hier eine Auswahl von Texten von Martin Z. Schröder aus deutschen Feuilletons:

Der junge Werner Klemke in Holland

Süddeutsche Zeitung, 22. August 2014
Ein Held aus dem Antiquariat
Werner Klemke war der große DDR-Grafiker. Zuvor nutzte er seine Kunst, um Leben zu retten

»Hallo, Sie, Herr Soldat! Sie haben Ihr Schießgewehr vergessen!« Das einem deutschen Soldaten! Und das auch noch im Amsterdamer Antiquariat »Erasmus«, das heimlich mit den verbotenen Büchern von Tucholsky, Kästner und Brecht handelt. Es ist das Jahr 1942. Dem 25jährigen Werner Klemke wird das Gewehr von einem fast Gleichaltrigen nachgebracht. Der ist gerade dabei, über die Rettung seines jüdischen Schwiegervaters und seiner Frau nachzudenken, die seit ein paar Wochen einen gelben Stern an ihrer Kleidung tragen müssen, damit die Nazis sie bei ihrem Mordzug nicht übersehen. Die beiden jungen Männer kommen ins Gespräch – und Werner Klemke wird zum Urkundenfälscher und Lebensretter ...
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Das gebrauchsgrafische Werk von Axel Bertram

Süddeutsche Zeitung, 12. Dezember 2012
Nur die beste Lösung ist die angmesssene
Kunst, die man braucht: Ein Überblick über das Werk des großartigen Gebrauchsgrafikers Axel Bertram

Dieses Buch ist die Biografie einer beruflichen Liebe, die inniger und beständiger kaum sein kann. Es verschafft Einblick in das Lebenswerk des Gebrauchsgrafikers Axel Bertram, der seine Arbeit so zugewandt und andauernd neugierig ausübte, daß mit diesem Rückblick auf fünf Jahrzehnte Gebrauchsgrafik eine Sammlung von Kunstwerken entstanden ist, die eine persönliche Handschrift nicht zeigt, aus der aber ein Bertramscher Duktus geradezu leuchtet ...
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Der Typografiestreit zwischen Jan Tschichold und Max Bill

Süddeutsche Zeitung, 3. September 2012
Der Hang zum Unbedingten
Gibt es eine totalitäre Typografie? Hans Rudolf Bosshard rekonstruiert den Streit zwischen Max Bill und Jan Tschichold

Als den „Typografiestreit der Moderne“ bezeichnet man eine Auseinandersetzung zwischen Max Bill und Jan Tschichold, 1946 im Abstand von zwei Monaten als Rede und Gegenrede in der Zeitschrift „Schweizer Graphische Mitteilungen“ erschienen. Der Schweizer Typograf Hans Rudolf Bosshard hat diesen Streit nun in Buchform dargestellt, gibt seine eigene Parteinahme allerdings schon durch die Gestalt seines Buches zu erkennen, das bis an die schmalen Ränder mit einer gelegentlich mangelhaft gesetzten halbfetten Serifenlosen bedruckt ist und dadurch so stark an die Neue Typografie der 1920er Jahre erinnert, daß es nicht anders als altmodisch wirkt ...
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Im Liliengarten der Einbände, Vignetten und Schrifttypen

Süddeutsche Zeitung, 2. Juli 2012
Vor 100 Jahren wurden die ersten Bände der Insel-Bücherei ausgeliefert:
Die Idee des zugleich schönen und erschwinglichen Buches
wurde zum großen Erfolg

Am 2. Juli 1912 kamen die ersten Bände der Insel-Bücherei in die Buchhandlungen, Rainer Maria Rilkes „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ trug die Nummer 1. Damit begann nicht nur die Erfolgsgeschichte dieses Rilke-Titels, sondern die eines markanten Buchformats. Der Leipziger Insel-Verlag war von Beginn an, seit seiner Gründung 1901, in den Händen von Liebhabern der Buchkunst. Das bis heute verwendete Signet des Verlages, das Segelschiff, hatte der Architekt, Maler, Schriftzeichner, Designer und Typograf Peter Behrens zwei Jahre zuvor für „Die Insel“, eine Literatur- und Kunstzeitschrift, entworfen.
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Das Gesicht der gelben Welt

Süddeutsche Zeitung, 6. Februar 2012
Mehr Raum für Kritzeleien: Friedrich Forssman hat das Erscheinungsbild der Reclam-Universalbibliothek erneuert

Die achte Neugestaltung seit Gründung der Universalbibliothek hat Friedrich Forssman übernommen, der sich nicht nur als Typograf - vor allem als Buchgestalter - sondern auch als Autor von Fachbüchern einen so stark für Qualität stehenden Namen gemacht hat, daß man die Entscheidung des Verlages als ein Versprechen ansehen kann. Wird es eingelöst?
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Wie mit dem Nagel festgehalten

Süddeutsche Zeitung, 27. August 2009
Schriften in unserer Zeit:
Ein großes, schweres, anregendes Buch über den Typographen Adrian Frutiger

Ist einem Schriftzeichner und seinem Beruf schon einmal eine derartige Aufmerksamkeit zuteil geworden? Es gibt eine recht kurze Reihe sehr schöner Bücher über Typografen und Schriftkünstler, etwa Ernst Schneidler, Jan Tschichold, Hermann Zapf; aber bislang gab es keines wie dieses über Adrian Frutiger, das Heidrun Osterer und Philipp Stamm herausgegeben haben.
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Zeichen der Zeit

Süddeutsche Zeitung, 22. Juli 2009
Gute Typographie ist selten im Internet - aber das muß nicht so bleiben

Im Internet kündigt sich seit einigen Monaten ein Fortschritt des Mediums an, den man ihm kaum zutraut: ein ästhetischer. Denn man kann sich heute zwar Kinofilme online ansehen, aber die Zeitung auf dem Bildschirm in der Schrift lesen, wie sie das bedruckte Papier zeigt, das geht nicht. Gute Typografie ist im Internet rar.
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Elend in häßlichem Glanz

Süddeutsche Zeitung, 5. Januar 2009
Ein Buch über das Lebenswerk Jan Tschicholds

Jan Tschichold war ein Mann der Schrift. Erst revolutionierte er 1925 als Jüngling die Typografie mit einem Manifest gegen Ornament und Jugendstil in den Leipziger „Typografischen Mitteilungen“, zu dem bald jeder Schriftsetzer eine Meinung hatte. Tschichold wollte sogar die Großbuchstaben abschaffen. Später…
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Diotima, Palatino, Optima und die Dingbats

Süddeutsche Zeitung, 22. Dezember 2008
Die klassische Typographenkunst und der Computer-Schriftsatz:
Über Hermann Zapf und Gudrun Zapf-von Hesse

Der Rückblick auf das Jahr 2008 zeigt zwei Jubilare, die einzeln wie als Paar beeindrucken: der Schriftkünstler und Typograf Hermann Zapf und die Schriftkünstlerin und Buchbinderin Gudrun Zapf-von Hesse. Sie wurde im Januar, er im November 90 Jahre alt.
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Gutenbergs Gewehr

Süddeutsche Zeitung, 6. Dezember 2008
Zum Tod des großen Typographen Günter Gerhard Lange.

Gerade 18 Jahre alt, wurde Günter Gerhard Lange 1939 als Freiwilliger zum Krieg einberufen und bald schwer verwundet. Für Lügen mit einem Bein bezahlt - dieser Preis habe ihn gelehrt, das Maul nicht zu halten. Dem Mann aus dem Brandenburgischen, geboren in Frankfurt an der Oder,
lag das Herz später als Typograf und Lehrer nahe der Zunge.
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Die Dialekte der Handschrift

Süddeutsche Zeitung, 13. März 2008
Der Tiemann-Preisträger Florian Hardwig untersucht die absonderlichen Vorgaben, nach denen wir schreiben lernen.

Am heutigen Tage verleiht der Verein zur Förderung von Grafik und Druckkunst Leipzig e.V. den Walter-Tiemann-Preis an den 27jährigen Berliner Designer Florian Hardwig für eine aufwendige Arbeit, die sich mit den aus der schulischen Unterweisung
entstehenden „Dialekten“ von Handschriften befaßt.
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Eine Landkarte für Amtsschimmel

Süddeutsche Zeitung, 18. Januar 2008
Der Designer entwirft den Dialog zwischen Mensch und Verwaltung: Ein Handbuch zur Formulargestaltung.

Welche Drucksache erregt am ehesten Unwilligkeit? Das am wenigsten gemochte bedruckte Papier ist das Formular. Es belegt einen Unterschied an Macht, es tritt autoritär auf, es zwingt seinen Benutzer in eine einzige Rolle und ...
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Hilfe, ein Buchstabe fehlt

Süddeutsche Zeitung, 15. Mai 2007
Aber Ruhe. Rettung naht. Bald gibt es das große Eszett.

Nach gut 120 Jahren, in denen mehrfach zur Einführung des versalen Eszett angesetzt wurde, zeitigen die Bemühungen jetzt amtlichen Erfolg. Zwar haben Schriftenhersteller schon zu Bleisatzzeiten um 1900 das große Eszett angeboten ...
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Fraktur, mon amour

Berliner Zeitung, 23. April 2007
Die F.A.Z. denkt über ihre gebrochene Schrift nach.
Diese ist längst in die Popkultur eingezogen.

Während man bei der F.A.Z. über die Altertümlichkeit der Fraktur grübelt, sind ornamental verzierte gotische Typen schon lange in der Jugendkultur angekommen. 1994 erschien das Rap-Album „Illmatic“ von Nas beim New Yorker Label Columbia mit gebrochenen Lettern.
Die Plattenhüllen von Snoop Dogg ...
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Weg mit den Schutzumschägen!

Süddeutsche Zeitung 8. Februar 2007
Das eigentliche Kleid eines Buches sieht anders aus
Eine Polemik gegen die „U1“.

Man schleiche in der Dunkelheit, welche klare Sicht in beleuchtete Stuben ermöglicht, durch eine Straße, in die sich das oberste Fünftel der überdurchschnittlich gebildeten ...
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Freude an der Schrift

Süddeutsche Zeitung 16. Oktober 2006
Judith Schalansky engagiert sich für „Fraktur mon Amour“.

Auf den ersten Blick wirkt es verrückt, eine Sammlung fast aller gebrochenen Schriften zu publizieren, die gegenwärtig für den Einsatz im Computer bereit stehen ...
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Häßliche Schrift und dummes Ornament

Süddeutsche Zeitung, 11. Mai 2006
Von der Kunst, Gedanken optisch zu verstärken: Hans Peter Willbergs und Friedrichs Forssmans »Lesetypografie«.

Das Lesen von Büchern ist so populär, daß es sogar in unterhaltsamer Television propagiert wird. Fast nie aber wird über die Gestalt des Buches gesprochen. Können sich unsere Bücher messen mit den typografischen Idealen der Vorzeiten?
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Kühn, streng und elegant

Berliner Zeitung, 20. Mai 2005
Welche Typografie hat die Berliner Zeitung?

Eine Zeitung ist typographisch wie ein Wohnzimmer eingerichtet: mit thematischen Ecken für jedes Familienmitglied. Jede Zeitung wendet sich an einen recht genau bestimmten Kreis von Lesern, dem sie ein Bildungsniveau und Meinungsspektrum unterstellt.
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Eine zackige Kehrtwendung

Süddeutsche Zeitung, 20. April 2005
Philip Luidl untersucht die Herkunft der „Schwabacher“.

Warum haben wir länger als andere europäische Völker die Fraktur als Normschrift gedruckt und Kurrentschrift als Handschrift geschrieben, so lange, daß viele sie für die deutsche Schrift schlechthin halten? Und warum schreiben und drucken wir heute in Antiqua?
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Eine Schule des Sehens

Süddeutsche Zeitung, 7. Dezember 2004
Axel Bertrams „Das wohltemperierte Alphabet“.

In dem Leipziger Verlag Faber & Faber ist ein einmalig wunderbares Buch erschienen; der Gebrauchgrafiker Axel Bertram hat es geschrieben und ausgestattet, es handelt von 99 Schriftkünstlern aus sechs Jahrhunderten und trägt zu recht den Titel „Das wohltemperierte Alphabet“.
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Das Buch des Buches der Bücher

Süddeutsche Zeitung, 22. November 2004
Der Antiquar Heribert Tenschert präsentiert in einem üppigen Katalog hinreissende Bibeldrucke aus sechs Jahrzehnten.

Vom Antiquar Heribert Tenschert in Ramsen am Rhein ist erneut eine Sensation zu berichten. Nein, es ist noch nicht ganz so weit, daß er die weltweit größte Sammlung von Stundenbüchern besitzt, diese illustrierten Gebetsbücher für die private
Andacht von Laien, welche Auszüge aus dem
kirchlichen Meßbuch für verschiedene Tageszeiten enthalten.
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Schöner geht’s nicht

Literaturen ­­— Das Journal für Bücher und Themen, September 2004
Kunstgeschichte — Ein bibliophiles Großprojekt erschließt Kostbarkeiten.

Fünf Jahre lang hat der berühmte Antiquar Heribert Tenschert gedruckte Stundenbücher gesammelt, um einen einmaligen Katalog daraus zu erstellen. Die vor allem im Mittelalter gebräuchlichen Stundenbücher enthalten den Kalender,
Stundengebete, Meßtexte, Lektionen - und vor allem sind sie illustriert.
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Kann Schrift schreien?

Berliner Zeitung, 18. September 2003
Zwei Herren im Café. Sie spielen das klassische Autokartenspiel mit dem „Typographischen Quartett“.

Matthias Wimmer: Prolofaktor 4.
Mist, ich hab nur Prolofaktor 1. Welche Schrift haben Sie denn da?
Die Jenson-Antiqua.
Huuu, ausgerechnet die Altehrwürdige! Wie kommt die Jenson zu einem so hohen Prolofaktor?
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Der Typograph

Süddeutsche Zeitung, 6. Juni 2003
Zum Tod von Hans Peter Willberg.

Der Typograf Hans Peter Willberg war ein Lehrer, der kameradschaftliche, selber wissbegierige Typus des Lehrers, dem seine Schüler nacheifern durften, weil er sie auf seine Reisen in das Fach aus Wissenschaft und Kunst mitnahm, das die Typografie ist. Als Kunst hat Willberg sie abgelehnt, eine nachrechenbare Wissenschaft ist sie nur in geringen Teilen.
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Die Liebe zum Detail

Süddeutsche Zeitung, 31. Mai 2003
Friedrich Forssman und Ralf der Jong legen ein Lexikon der Mikrotypographie vor.

Die Schriftsetzerei mit der Bleiletter ist fast ausgestorben. Unter allen Handwerken war ihre Geschichte kurz, sie begann um 1440 mit Gutenbergs Erfindung und lief aus seit 1970 mit der Einführung des Fotosatzes.
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Sorgfältig setzen

Süddeutsche Zeitung, 19. Juli 2002
Hans-Joachim Schauss blickt auf 45 Jahre Gebrauchsgrafik.

Auf den ersten Blick wirken Bücher aus der DDR bloß flau und vergilbt. Billige Farben, holzhaltiges Papier. Eine Sehhilfe, die den zweiten Blick schärft, liefert Hans-Joachim Schauß mit einem Rückblick aufs eigene Werk: auf fünfundvierzig Jahre Gebrauchsgrafik.
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Druckers Stolz war Gottes Ehre

Berliner Zeitung, 16 Juli 2002
Die Berliner Staatsbibliothek begeistert mit zwei Ausstellungen zur mittelalterlichen Buchkunst.

Wie gerne würde man diese Bücher einmal in die Hand nehmen, die im Vestibül der Staatsbibliothek Unter den Linden im Dämmerlicht der dunkelrot ausgeschlagenen Vitrinen liegen. Aber nicht einmal richtig ansehen kann man sie, weswegen man allerdings nicht böse sein darf, denn mehr Helligkeit würde ihnen Schaden zufügen.
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Der mit Sorgfalt gesetzte Gummistempel

Süddeutsche Zeitung, 2. April 2002
Wider die lärmenden Orgien wildgewordener Buchstaben: Zum hundertsten Geburtstag des Typographen Jan Tschichold.

Betrachtet man die Typographie heute erscheinender Bücher, findet man unterhalb einiger herausragender Entwürfe viel Lieblosigkeit. Aber es erscheinen immer wieder Druckwerke, die jeder sofort als schön ansieht. Sie ähneln solchen aus früheren Jahrhunderten.
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Ach wär’ ich doch nur Klempner von Beruf!

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Februar 2002
Diese Typen sind einfach geschichtslos: Hans Peter Willberg legt dem Laien eine fachfremde Neuordnung der Schriften ans Herz.

In die Klage einer ganzen Berufsgruppe aus Typographen und Schriftsetzern ließ sich bislang nur einstimmen, ohne daß Abhilfe in Sicht war: „Niemand versteht uns, keiner interessiert sich für die Regeln unserer Berufe, jeder Computerbenutzer verwaltet das typografische Erbe nach eigenem Gutdünken.“
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Am Ende wartet das Flattern

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Februar 2001
Nichts leichter als ein Satzfehler: Ein Lehrbuch der Typographie.

Über das Antlitz und Gewand unserer Bücher wird öffentlich nur ganz selten gesprochen. Unter dem Antlitz könnte man die Schrift und den Entwurf verstehen, die dem Buch einen charakterlichen Ausdruck geben, an dem man ablesen kann, ob es sich um einen Roman oder eine medizinische Aufsatzsammlung handelt; und mit Gewand ist das Papier gemeint, der Einband und der Schutzumschlag.
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Typografietips

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. Januar 2000
Hinweis auf „Erste Hilfe in Typographie“ von Hans Peter Willberg und Friedrich Forssman.

Der Computer hat zwar die Möglichkeiten der Schriftsprache vervielfacht, aber gutes Benehmen im typografischen Ausdruck lernt man von ihm nicht. So werden nun Aufsätze und Berichte geschrieben, die wie gedruckte Romane oder besonders zeitgemäß aussehen sollen, stattdessen aber dem Adressaten das Lesen schwer machen oder einfach nur häßlich sind.
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Bildbrei neben dem Daumen

Berliner Zeitung, 12. Januar 1999
Ein modisches Buch ist mühsamer zu lesen als eine mittelalterliche Handschrift.

Von Johanna Walser ist in der Collection S. Fischer ein Taschenbuch erschienen („Versuch, da zu sein“, Prosa, 120 Seiten, 20 Mark). Die Kurzprosa ist an den unteren Rand gerutscht, die Seitenzahl steht im Text, die Überschrift gleitet in ihn hinein.
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Material, Menschen und Maschinen

Berliner Zeitung, 12.12.1998
„Meine DDR-Bücher erkenne ich an dem gelblichen Papier“, sagt die Kollegin.

Das Papier aus Sibiriens Wäldern, das der DDR vom RGW (Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe, eine Art sozialistisches Brüssel) zugeteilt wurde, war stark holzhaltig. Wurde das Holz nicht chemisch aufgeschlossen, kam das darin enthaltene Lignin ins Papier.
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Die Anmut des Unscheinbaren

Berliner Zeitung, 10./11. Oktober 1998
Eine dienende Kunst, um die sich der Literaturbetrieb nicht einmal zur Buchmesse kümmert: die Typographie.

Am Anfang kriegt der Mensch einen Buntstift in die Hand gedrückt und malt. Striche und Kringel zuerst, dann erscheinen die Mama, die Katze und der Vater, alle nebeneinander am unteren Bildrand.
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Schweinchenrosa mit leichtem Stritz

Frankfurter Rundschau, 7. Februar 1998
Kritik des gebrauchsgrafischen Kleinbürgertums oder: Mein liebstes Hustenbonbon.

Nachdem das Original über 130 Jahre seine Dienste ordentlich getan hatte, hat man ihm nun eine zweite, veränderte Sorte zur Seite gestellt. Erst jetzt, nachdem wir so lange Zeit - schon ohne Aufmerksamkeit - von der Ursprungsfassung gezehrt haben; erst jetzt, da wir an der zweiten Fassung einige Ungeschicklichkeiten feststellen müssen ...
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