Der Schweizerdegen

Martin Z. Schröder ist ein Schweizerdegen. So nennen sich Setzer, die gleichzeitig Buchdrucker sind. Die Begeisterung für die Schwarze Kunst packte ihn schon früh, er lernte früh Lesen und bastelte als Kind schon Zeitungen, angeregt durch die Tätigkeit seiner Eltern. Der Vater war stellvertretender Chefredakteur (der junge Sohn war von den vielen "e" in dieser langen Bezeichnung so beeindruckt, daß er den Vater für den richtigen Chef hielt) der Wochenpost und später der Neuen Berliner Illustrierten, die Mutter leitete ein Lektorat im Kinderbuchverlag Berlin. Bereits mit14 Jahren trat Martin Z. Schröder in die Arbeitsgemeinschaft „Junge Schriftsetzer“ im „Pionierpalast“ in der Berliner Wuhlheide ein. Dort lernte er die Grundbegriffe des Handsatzes beim Meister Wolfgang Holtz, der inzwischen gestorben ist.

Später absolvierte Martin Z. Schröder eine Lehre im Bleisatz und wurde 1985 Schriftsetzer, spezialisiert auf Akzidenzen. Er arbeitete danach als Verlags-Hersteller, erfuhr Fortbildungen in Reprofotografie und Offsetdruck, war technischer Redakteur der „Weltbühne“, Korrektor dreier Belletristik-Verlage, Redaktionskoordinator einer Zeitschrift, arbeitete als Mitherausgeber von zwei Fachzeitschriften und kehrte 1989 zum Buchdruck zurück in die Druckerei Rapputan in der Berliner Friedrichstraße als Erster Akzidenzer. 1994 gründete er die eigene Werkstatt. Er unterrichtete Studenten des Fachbereichs Design einer Fachhochschule im Bleisatz und gab Kurse für Kinder einer Freien Schule in Berlin. Er schrieb in den Feuilletons von Tageszeitungen (SZ, FAZ, FR, Welt, Berliner Zeitung) über Typographie, bis ihm die am meisten erfreuliche Arbeit in der Werkstatt für all diese Dinge kaum mehr Zeit ließ.