Johannes Gensfleisch zum Gutenberg

tl_files/druckerey/unsortierte-bilder/Gutenberg.jpgwar das jüngste Kind eines angesehenen Mainzer Patriziergeschlechts. Sein Geburtsdatum ist nicht bekannt, aus alten Urkunden schließt man, daß er um 1400 geboren wurde. Im Jahr 2000 feierte die Stadt Mainz den 600. Geburtstag des großen Erfinders.

Der älteste nachweisbare Vorfahre Gutenbergs war der 1330 bis 1346 als Mainzer Ratsherr erwähnte Friele Rafit zum Gensfleisch, dessen Geschlecht sich nach dem ihm gehörenden Herrschaftshaus „zum Gensfleisch“ benannte. Der Urenkel von Friele Rafit, der auch Friele hieß, heiratete 1386 in zweiter Ehe Else Wyrich zum steinen Krame, und deren dritter Sohn war Johannes.

Über Gutenbergs Kindheit und Jugend ist nichts bekannt; man weiß nur, daß im Jahre 1421 fünf Angehörige der Familie Gensfleisch zu den Münzerhausgenossen zählten, die das Metall zur Münzprägung lieferten und es auf Gewicht und Reinheit zu prüfen hatten. Gutenberg war also schon früh mit Metallarbeiten vertraut, er wurde bei der Zunft der Goldschmiede als Zugeselle geführt und beherrschte die Kunst des Metallgießens und Steinschneidens.

Das heute meist veröffentlichte Porträt Gutenbergs geht auf einen 116 Jahre nach seinem Tode entstandenen Kupferstich eines unbekannten Künstlers zurück. Leider ist dieses Bild nicht authentisch und fehlerbehaftet - wie alle Gutenberg-Porträts - und ist deshalb hier nicht abgebildet. In Gutenbergs Zeit trugen die Patrizier keine langen Bärte - die waren das Zeichen eines Pilgers oder Juden.

Johannes Gutenberg geriet als Patriziersohn in eine Zeit erbitterten Kampfes der erstarkenden Zünfte gegen die Herrschaft der Patrizier. Gutenberg mußte Mainz schließlich sogar verlassen, weil er sich weigerte, die Bedingungen der Zünfte zu erfüllen. Die verlangten, daß auch Patrizier Steuern zahlen sollten und zehn Jahre die Stadt nicht verlassen dürften. Darüber hinaus verloren die Patrizier das Vorrecht, die Hälfte der Ratsherren zu stellen. Schon 1429 wurde in Mainz ein neuer Stadtrat ohne Ansehen des Standes gewählt. Unter Mitwirkung des Erzbischofs von Mainz, Konrad III., kam 1430 ein Versöhnungsvertrag zustande. Auch Gutenberg durfte wieder in die Stadt zurückkehren.

Das tat er jedoch nicht. Er lebte von 1434 bis 1444 in Straßburg, woraufhin ihm die Mainzer Stadtkasse die Rentenauszahlung sperrte. Gutenberg ließ sich das nicht gefallen. Als der Mainzer Stadtschreiber Nicolaus von Wörrstadt sich zu einem Besuch nach Straßburg begab, machte Gutenberg ihn dort für die Auszahlung seiner Rente haftbar und ließ ihn in den Schuldturm werfen. Sodann mußte Wörrstadt schwören, Gutenberg persönlich die ausstehenden 310 Gulden zu zahlen, wovon der ihn jedoch im März 1434 nach Vermittlung des Straßburger Rates wieder entband, ohne allerdings auf seine Forderung zu verzichten. Die Stadt Mainz verpflichtete sich schließlich zur Zahlung, und Gutenberg ließ den Stadtschreiber frei. Seither gehört es zum Stand der Drucker und Setzer, Forderungen unerbittlich einzutreiben.

Gutenberg kehrte also 1444 nach Mainz zurück. In Straßburg hatte er mit zwei Geschäftsfreunden erste Versuche seiner "geheimen Kunst" unternommen, doch erfolglos. In Mainz mußte der inzwischen verarmte Gutenberg 1448 ein Darlehen aufnehmen. Denn seine Experimente kosteten ihn auch ein kleines Vermögen. So befaßte Gutenberg sich mit allerlei Gewerken wie der Edelsteinschleiferei und der Spiegelherstellung. Es wird angenommen, daß der geschickte Handwerker für seine Spiegel mit Antimon gehärtetes Blei verwandte. Genau diese Legierung, angereichert mit Zinn, wird bis heute für die Lettern aus dem Setzkasten verwendet.

Zur Fortführung seiner Druck-Experimente lieh ihm der Mainzer Bürger Johannes Fust 1.600 Gulden. Die Hälfte davon wurde verwendet, um das heute teuerste Buch der Welt herzustellen, die 42zeilige Bibel. Kurz vor Abschluß seiner Arbeiten daran, im Jahr 1455, klagte Fust seine Forderung gegen Gutenberg ein. Der hätte Fust mit dem Erlös aus dem Bibelverkauf auszahlen können, aber Fust seinerseits wartete nicht, sondern drängte Gutenberg aus dem Geschäft. Er verlangte vor Gericht das verzinste Darlehen auf einmal, alles in allem 2020 Gulden. (Für 800 Gulden konnte man zu jener Zeit 100 Mastochsen kaufen.)

So kam Fust in den Besitz der Gutenbergschen Werkstatteinrichtung, denn die wurde gepfändet. Mit dem Kalligraphen, dem bisherigen Gehilfen Gutenbergs, Peter Schöffer, der im Prozeß gegen seinen Meister ausgesagt hatte, gründete Fust eine große Druckerei, die hervorragende Drucke anfertigte und hohe Gewinne erzielte. Im Jahre 1456 erschienen hier die ersten Exemplare der 42zeiligen Bibel. Die technische Leitung hatte Schöffer, Fust betätigte sich als Verleger. Er starb am 30. Oktober 1466 in Paris an der Pest.

Gutenberg für seinen Teil konnte nur jene Geräte behalten, die ihm vor 1450 gehört hatten, also vor der Kreditaufnahme. Im Jahre1465 wurde er zum Hofmanne ernannt, das sicherte ihm jährlich neue Hofkleidung sowie zwanzig Malter Korn und zwei Fuder Wein, außerdem wurde er von allen Steuern befreit. Es ist nicht bekannt, ob er noch einmal eine Werkstatt besaß. Eine Chronik von 1508 berichtet, daß Gutenberg erblindet sei. Das wäre eine Erklärung dafür, warum keine weiteren Druckwerke von ihm bekannt sind.

Am 3. Februar 1468 starb der Erfinder der Schwarzen Kunst in Mainz. Als die Kirche des Heiligen Franziskus, an der Gutenbergs Grabplatte angebracht war, 1577 an die Jesuiten überging, wurden alle Totenschilder entfernt. Schon dreißig Jahre später konnte keine Grabplatte mehr über Gutenbergs Grab gefunden werden. Im 18. Jahrhundert errichteten die Jesuiten anstelle der alten Kirche eine Barockkirche, deren Ruinen Anfang des 19. Jahrhunderts beräumt wurden. So ist keine letzte Ruhestätte von ihm bekannt, aber die Schwarze Kunst hat ihren Erfinder und Begründer Johannes Gutenberg unsterblich gemacht.